If it’s not intersectional,
it’s not my revolution!

Ich bin 1984 in Keşan in der Türkei geboren und in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen. Mein Migrationsvordergrund und mein Frausein bestimmten wie nichts anderes meine Identität und meine Erfahrungen. Ich lebte und atmete Intersektionalität, bevor ich das Wort überhaupt kannte.

 

 

Als Enkelin von ehemaligen Gastarbeiter:innen aus der Türkei habe ich schon früh gelernt, was es bedeutet, sich nicht zur deutschen Gesellschaft zugehörig zu fühlen. Nicht weil man es so möchte, sondern weil es einem so nahegelegt wird.


 Meine rassismuskritische, feministische Perspektive ist immer präsent, privat wie beruflich als Referentin, Filme-macherin, Autorin, Kuratorin, Speakerin, Dozentin oder Moderatorin, die zur Filmkultur in Deutschland beiträgt.  

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Von der allseits bekannten Frage „Wo kommst du her?” bis hin zu der Annahme, dass ich potentiell von „Ehrenmord“ bedroht sei oder einen „Migrantenfilm“ drehte, kamen da in meinen 35 Lebensjahren allerhand an Erfahrungen mit Marginalisierung zusammen.

 

 

Doch nicht nur in meinem Alltag, sondern auch im deutschen Fernsehen und Kino erlebte ich Ähnliches: Figuren, mit denen ich mich als Frau of Color identifizieren konnte, sah ich selten und wenn, dann immer wieder in denselben stereotypen Rollen.

Es musste doch mehr als klischeebeladene Geschichten über kriminelle Ausländer, strenge Väter, schlagende Ehemänner und unterdrückte Türk:innen / Muslima geben, die sich nur durch „Integration“ in die „deutsche Kultur“ und/oder einen weißen Retter aus ihrer Misere befreien konnten? Seit den 1990ern gibt es tatsächlich auch ein „anderes“ deutsches Kino, aber dominant sind leider immer noch die alten Stereotypen…

 

Aus diesem Erleben heraus studierte ich Filmwissenschaft in Berlin an der Freien Universität und in Barcelona  an der Universitat Pompeu Fabra. 2012 schloss ich meinen Master in Dokumentarfilm am Goldsmiths College London ab.

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Ohne Diversität und intersektionale Perspektiven haben Filme und Serien weder im Kino, noch im Fernsehen oder im Internet eine echte Zukunft. Das Publikum von heute weiß und will mehr als die ewig selben Stereotypen und weißen Held:innen, und das nicht erst, aber spätestens seit der globalen Black Lives Matter Bewegung. Zum Glück! Denn wir brauchen mehr intersektionale Gerechtigkeit in der Gesellschaft wie auf unseren Bildschirmen und der großen Leinwand! 
 

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Im Studium und später im Beruf kristallisierte sich meine große Leidenschaft für mich heraus: BIPOC und ihre intersektionalen Identitäten im Kino als Menschen mit individuellen Sehnsüchten, Träumen, Stärken und Schwächen statt nur als Stellvertreter:innen ihrer vermeintlichen „Kultur“, ihres Genders, ihrer Klasse usw. zu sehen.

 

Welche Art von filmischen Bildern, Narrativen und Dramaturgien sind notwendig für solche neue Visionen von Gerechtigkeit, Widerstand und Empowerment in zwischenmenschlichen Beziehung und in der Gesellschaft? Von welcher Art des Filmemachens müssen wir uns dafür verabschieden?

Intersektionale Perspektiven zu verstehen, zu verinnerlichen und anzuwenden ist für mich die Antwort auf diese Fragen. Deshalb engagiere ich mich u.a. als external contributor beim Center for Intersectional Justice, das herausragende Arbeit auf diesem Feld leistet. 

Für ein besseres Verständnis der Begriffe, die ich auf meiner Website benutze (wie People of Color, Intersektionalität, Marginalisierung etc.), empfehle ich das Wörterbuch von Diversity Arts Culture – Berliner Projektbüro für Diversitätsentwicklung. Auch das Center for Intersectional Justice bietet viele Ressourcen und Informationen zu Intersektionalität an.